Offene Krume mit 100% Kamut-Vollkornmehl: Anleitung

· von Max Weber · 4 Min. Lesezeit

Offene Krume mit 100% Kamut-Vollkornmehl: Anleitung

Eine offene, luftige Krume mit 100% Kamut-Vollkornmehl zu backen, gilt unter Sauerteigbäckern zu Recht als Königsdisziplin. Machbar ist es trotzdem, man muss nur wissen, womit man es zu tun hat. Kamut (auch Khorasan-Weizen genannt) bringt ein deutlich schwächeres Glutengerüst mit als moderner Weizen, saugt dafür aber erstaunlich viel Wasser auf und dankt es einem, wenn man ihm Zeit lässt. In diesem Leitfaden gehen wir konkret durch, wie du Hydration, Knetung und Gare steuerst, damit dein Brot trotz 100% Vollkornanteil die großzügigen, unregelmäßigen Löcher bekommt, auf die du hoffst.

Warum Kamut eine besondere Herausforderung ist

Kamut-Vollkornmehl tickt anders als Weizen- oder Dinkelmehl, und zwar in mehreren Punkten gleichzeitig:

Kurz gesagt: Das Standard-Rezept, das bei Weißmehl funktioniert, kannst du hier nicht einfach 1:1 kopieren.

Die richtige Hydration finden

Bei 100% Kamut-Vollkornmehl liegt die Starthydration realistischerweise bei 80 bis 85%. Klingt viel, ist aber nötig, damit der Teig nach der Autolyse geschmeidig bleibt statt bockig.

Praxistipp: Starte mit 80% Wasser und füge während der Autolyse oder in den ersten Dehn- und Faltrunden schrittweise weitere 3 bis 5% hinzu (Bassinage-Technik). So rutscht dir der Anfangsteig nicht durch die Finger, und am Ende hast du trotzdem die Offenheit in der Krume, die du willst.

Autolyse: Der wichtigste Schritt

Eine verlängerte Autolyse von 45 bis 60 Minuten ist bei Kamut fast schon Pflichtprogramm:

  1. Mehl und Wasser (ohne Salz und Anstellgut) vermischen.
  2. Abgedeckt ruhen lassen.
  3. Erst danach Anstellgut und Salz einarbeiten.

In dieser Zeit quellen die Kleiepartikel vollständig durch, und das Gluten vernetzt sich ganz von allein, ohne dass du mechanisch nachhelfen musst. Genau das macht später den Unterschied zwischen Dehnbarkeit und Reißen.

Sanfte Knetung statt starkem Dehnen

Weil das Kamut-Gluten so empfindlich reagiert, solltest du auf aggressives Dehnen und Falten besser verzichten:

Bulk-Fermentation genau überwachen

Durch die hohe Enzymaktivität kippt Kamut-Teig schneller ins Übergare, als man es von Weißmehl gewohnt ist. Erkennbar ist das an einem schlaffen Teig, der nicht mehr zurückfedert. Worauf du achten solltest:

Formen ohne die Gärgase zu zerstören

Beim Formen braucht der Teig Spannung, aber zu viel Druck presst genau die Gasblasen raus, die du dir mühsam erarbeitet hast:

Backen für maximalen Ofentrieb

Häufige Fehler vermeiden

Fazit

Eine offene Krume mit 100% Kamut-Vollkornmehl verlangt mehr Fingerspitzengefühl als das Backen mit Weißmehl, keine Frage. Mit der richtigen Hydration, einer ausgedehnten Autolyse, sanfter Knetung und einem wachen Blick auf die Bulk-Fermentation ist sie aber durchaus zu schaffen. Wer sich an diese Prinzipien hält, wird mit einem nussigen, aromatischen Brot belohnt, das sowohl beim Anschnitt als auch am Gaumen überzeugt, ein echtes Highlight für jeden, der Vollkorn-Sauerteig ernst nimmt.

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